"REIN ODER RAUS" - Überraschender Gewinn beim Kunstwettbewerb der weiterführenden Schulen in GM
Es war im Frühjahr 2024, als unser Kunstlehrer, Herr Pötzl, uns den Gummersbacher Wettbewerb zum Thema „Perspektiven“ vorstellte.
Ich meldete mich an, denn ich hatte nichts zu verlieren. Die Chancen auf einen Preis waren gering, da alle Gummersbacher Schulen mitmachten. Außerdem waren meine Ideen nicht wirklich preisverdächtig. Ich skizzierte verschiedene
perspektivische Darstellungen, die mich selbst nicht überzeugten. So landeten meine Ideen im Papierkorb und der Wettbewerb in Vergessenheit.
Dann erinnerte mich Herr Pötzl daran, dass ich in wenigen Tagen meine Arbeit abgeben müsste. Hastig griff ich wieder zu Papier und Bleistift und produzierte erneut Skizzen für den Papierkorb - bis kurz vor dem Abgabetermin. Es war schon spät am Abend und eigentlich wollte ich frustriert aufgeben. Aber … hatte Herr Pötzl nicht gesagt, dass das Kunstwerk nicht unbedingt eine Zeichnung sein müsse? Es könnte auch ein Objekt sein, dass das Thema Perspektiven darstellt. Ich begann zu grübeln.
Welches Objekt könnte das Thema darstellen? Vielleicht ein Fenster? Es hat zwei Seiten, ein Innen und ein Außen. Es ist eine Frage der Perspektive, welche Seite besser ist.
Und wer könnte diese Frage ohne Worte besser beantworten als eine lästige Fliege? Ich hatte irgendwo in einer Schublade eine Plastikfliege und in der Garage stand ein altes Fenster. Ich brachte die Fliege und das Fenster zusammen – und so war mit
dem Titel „Rein oder raus“ mein „Kunstwerk“ fertig.
Irgendwann bekam ich überraschend einen Brief vom Bürgermeister persönlich mit einer Einladung zum Bürger-Treff im Rathaus, wo ich tatsächlich einen Preis abholen sollte. „Oha, vielleicht bekomme ich eine Trinkflasche mit dem Gummersbacher-Logo drauf“, dachte ich.
Es war unangenehm, als die Siegerehrung im vollen Bürgersaal mit dem 11. Platz begann und mein Name auch bei den Plätzen 10, 9, 8 nicht aufgerufen wurde. Mit den Plätzen 7, 6, 5, 4 übertrafen sich die Kunstwerke selbst. Ich musste sicher
der vergessene 12. Platz sein. Dann fiel mein Name als letzter und es war an Peinlichkeit nicht zu überbieten! Ich musste nach vorne, der Bürgermeister gratulierte mir zum 1. Platz: Eine Reise nach Frankreich und 200 € Taschengeld!!! Dann folgten ein Händedruck, eine Urkunde, ein Foto und schnell zurück auf meinen Stuhl.
Ich habe gelernt, dass Kunst heute nicht mehr unbedingt etwas mit „Können“ zu tun hat. Eine originelle Idee und die verschiedenen Perspektiven des Betrachters machen aus gewöhnlichen Dingen überraschende „Kunstwerke“.
Finn Binder

